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Vögel lieber einzeln oder als Paar halten?

25.05.2020 14:10
Früher war es besonders in Deutschland erschreckend normal, sich einen einzelnen Vogel zu halten und auch heutzutage tendieren viele Halter noch dazu. Experten und Tierschützer haben aber inzwischen mehrfach darauf hingewiesen, dass für Vögel nur eine Haltung als Pärchen wirklich artgerecht sein kann. Zoo- und Fachhändler sind dazu verpflichtet, beim Kauf von Vögeln darüber zu informieren, dass man sie nicht allein halten soll – ein entsprechendes Gesetz gibt es aber leider nicht.

Deshalb schaffen sich auch heute noch viele Menschen einen einzelnen Vogel an und tun dies meist aus einem von drei Gründen.

Warum viele Menschen einen einzelnen Vogel halten wollen

Unter Vogelhaltern gibt es einige Beobachtungen und auch Irrtümer darüber, wie Vögel sich in Einzel- und Paarhaltung verhalten, aus denen der Glaube entstehen kann, einen Vogel allein zu halten, würde erstrebenswertes Verhalten unterstützen und weniger erstrebenswertes Verhalten reduzieren.

Es handelt sich grundlegend meist um einen von drei vermeintlichen Gründen, aus denen Menschen sich für die einzelne Haltung eines Vogels entscheiden:

  • Vögel werden in der Paarhaltung nicht zahm.
  • Vögel beginnen in Paarhaltung nicht zu sprechen.
  • Vögel in Einzelhaltung singen mehr.

Wenn man sich diese Gründe aber einmal genauer anschaut, wird schnell deutlich, dass sie entweder keine Basis haben oder eine sehr traurige.

Vögel werden in der Paarhaltung nicht zahm:
Es ist grundlegend nicht korrekt, dass im Paar oder Schwarm gehaltene Vögel nicht zahm werden können. Mit viel Beschäftigung und Liebe durch Menschen können auch mehrere auf einmal gehaltene Vögel zu einem gewissen Grad zahm werden. Prinzipiell ist es korrekt, dass ein allein gehaltener Vogel zahmer wird, aber der Grund dahinter ist ein sehr trauriger: Vögel binden sich in der freien Natur ihr Leben lang an einen Artgenossen und verbringen mit ihm viel Zeit. Allein gehaltene Vögel sind einsam und wenden sich allein deshalb ihrem Halter zu. Sie suchen nach Liebe.

Im Paar gehaltene Vögel schenken sich gegenseitig Aufmerksamkeit und brauchen deshalb weniger vom Menschen, weshalb sie einige als zahm geltende Verhaltensweisen weniger, später oder gar nicht entwickeln. Dafür machen sie dem Menschen dann aber auch weniger Arbeit, weil sie sich gegenseitig Gesellschaft leisten.

Vögel beginnen in Paarhaltung nicht zu sprechen:
Auch das ist schlicht nicht wahr. Sogar im Gegenteil: Zu zweit gehaltene Vögel können voneinander lernen und ihren Wortschatz gegenseitig erweitern. Aber: Auch beim Sprechen handelt es sich oft um eine Angewohnheit, die Vögel entwickeln, weil sie gelangweilt oder einsam sind und sich nach Beschäftigung oder Liebe sehnen. Ein einzeln gehaltener Vogel wird deshalb möglicherweise schneller oder öfter sprechen und Geräusche imitieren.

Vögel in Einzelhaltung singen mehr:
Dass Vögel in Einzelhaltung oft mehr singen als in Paarhaltung, ist tatsächlich wahr. In der freien Natur singen Vögel oft, um potenzielle Partner auf sich aufmerksam zu machen. Belohnt wird ihr Singen früher oder später damit, dass sie einen andersgeschlechtlichen Vogel finden, mit dem sie für den Rest ihres Lebens zusammenbleiben. Ein allein lebender Vogel singt deshalb so viel, weil er seinem Instinkt nachgeht, einen Partner zu finden. Ab einem gewissen Punkt singt er hauptsächlich aus Verzweiflung.

Im Paar gehaltene Vögel verzichten aber nicht komplett aufs Singen. Einen Partner anzulocken ist nicht notwendig, wenn ein männlicher und ein weiblicher Vogel zusammen gehalten werden. Allerdings singen Vögel teilweise auch einfach so, um sich gegenseitig etwas mitzuteilen oder weil sie es schön finden.

Wie Vögel sich in der Paarhaltung verhalten

Vögel, die zu zweit gehalten werden, werden in der Regel ein Pärchen – besonders dann, wenn es sich um ein Männchen und ein Weibchen handelt – und entwickeln eine Reihe von Angewohnheiten.

1. Gegenseitiges Füttern

Glückliche Vogelpaare füttern sich gegenseitig mit teilweise verdauten und hochgewürgten Speiseresten. Das klingt für Menschen wenig romantisch, ist aber auch eine Fütterungsmethode, die Vögel bei ihrer Brut anwenden.

2. Nahrung teilen

Auch wenn zwei gemeinsam gehaltene Vögel separat gefüttert werden, teilen sie sich ihre Nahrung meistens. Nicht selten kann man ein Vogelpärchen dabei beobachten, wie es gemeinsam versucht, einen Zwieback zu essen.

3. Gemeinsames Turnen

Vögel machen auch dann gerne Sport, wenn sie gerade nicht fliegen. Zum Beispiel hängen sie gerne kopfüber von einer Stange und machen eine Übung, die dem menschlichen Sit-up sehr ähnlich sieht. Gemeinsam gehalten, absolvieren Vögel ihre Turnübungen oft auch zusammen.

4. Gegenseitiges Kraulen

Ein glückliches Vogelpaar zeigt sich seine Zuneigung gerne durch Kraulen. Entweder krault ein Vogel den anderen, während dieser genießt, oder sie kraulen sich gegenseitig zur selben Zeit.

5. Gemeinsames Spielen

Vögel sind sehr intelligent und brauchen Beschäftigung für Körper und Geist. Zu zweit gehaltene Vögel benutzen Spielzeug gerne gemeinsam, wenn ihnen die Möglichkeit dazu geboten wird, und steigern damit den Spaß.

Natürlich kann nicht davon ausgegangen werden, dass zwei gemeinsam gehaltene Vögel sich vom ersten Tag an so zutraulich miteinander geben. Besonders wenn ein Vogel bereits vorhanden war und ein zweiter dazu kommt, kann die Gewöhnungsphase eine Weile dauern. Es braucht dann Geduld und einen guten Plan. Schließlich war der erste Vogel bisher an die Einzelhaltung gewöhnt und hat sich den Menschen als Partnerersatz gesucht. Sich wieder umzugewöhnen, kann ein bisschen dauern.

Wie Vögel sich in der Einzelhaltung verhalten

Allein gehaltene Vögel können nicht nur vom Menschen erhofftes Verhalten entwickeln, sondern auch schwere Verhaltensstörungen, die sogar bis zur Selbstverstümmelung führen können. Allein deshalb sollte klar sein, dass eine Einzelhaltung Vogel und Halter auf Dauer unglücklich macht.

Schreien: Unglückliche, allein lebende Vögel singen ab einem bestimmten Punkt nicht mehr, sondern schreien stattdessen.

Federn ausrupfen: Gestresste Vögel neigen dazu, sich selbst das Gefieder auszurupfen. Ein Vogel mit kahlen Stellen ist entweder krank oder gestresst.

Partnerersatz: Weil ein Vogel in der freien Natur einen anderen Vogel als Partner hätte, sucht er sich in Einzelhaltung einen Ersatzpartner. Das kann zum einen der Mensch sein, weshalb der Vogel dann verstärkt zahmes Verhalten entwickelt, oder ein Plastikvogel bzw. Spiegel.

Ein allein gehaltener Vogel wird einen Plastikvogel als Partnerersatz annehmen oder sein Spiegelbild als Partner akzeptieren. Besonders letzteres kann aber tragisch verlaufen. Da Vögel dazu neigen, ihren Partner mit hochgewürgten Speiseresten zu füttern, versuchen allein gehaltene Exemplare dasselbe mit ihrem Spiegelbild. Weil das Spiegelbild den Brei nicht annehmen kann, läuft er im Rachen des Vogels immer wieder zurück. Das kann zu einer Kropfentzündung führen, die in den meisten Fällen tödlich endet.

Wann eine Einzelhaltung trotzdem besser ist

Die Haltung von Vögeln ist prinzipiell nur als Paar oder Schwarm artgerecht, aber es gibt besondere Ausnahmefälle, in denen eine Einzelhaltung die bessere Variante ist.

Wenn ein Vogel

  • krank,
  • verletzt,
  • auf Menschen geprägt
  • oder mit anderen Vögeln unverträglich

ist, ist zumindest vorübergehend eine Einzelhaltung der Paarhaltung vorzuziehen. Wurde ein Vogel zum Beispiel von Hand aufgezogen, wird es eher schwierig, in wieder in einen Schwarm zu integrieren.

Worauf außerdem bei der Vogelhaltung geachtet werden muss

Wenn schon auf eine artgerechte Haltung von Vögeln geachtet werden soll, darf sich das nicht nur auf die Frage der Einzel- oder Paarhaltung beschränken. Drei weitere Aspekte müssen unbedingt beachtet werden, damit Vögel ein langes und zufriedenes Leben haben können, wenn sie als Haustier gehalten werden.

Erstens muss darauf geachtet werden, dass Vögel ausreichend geistige Auslastung erleben. Egal ob Wellensittich, Kanarienvogel, Papagei oder Beo – Vögel sind sehr intelligent und spielen gerne. Sie brauchen deshalb Spielzeug, das sie geistig fordert.

Zweitens brauchen sie einen ausreichend großen Käfig. Ist die Tür stets offen, kann es auch ein kleiner Käfig sein, aber ansonsten sollten zwei bis drei Flügelschläge im Käfig möglich sein. Vögel sind es von Natur aus nicht gewohnt, den Großteil des Tages auf engem Raum zu sein.

Drittens müssen Vögel jeden Tag die Möglichkeit haben, zu fliegen, und zwar für mindestens zwei bis drei Stunden. Ob das am Stück oder über mehrere Episoden auf den Tag verteilt wird, spielt dabei keine Rolle.

Fazit

In der Haltung von Vögeln sollte das Wohl des Tiers immer vor den Bedürfnissen des Menschen stehen. Deshalb wird dringend dazu geraten, der Empfehlung von Tierrechtlern zu folgen, und Vögel nur im Paar oder Schwarm zu halten. Nur in besonderen Einzelfällen ist eine Haltung allein vorübergehend oder dauerhaft sinnvoller für das Tier.

Darüber hinaus sollte auch bei der Käfiggröße, Zeit zum Herumfliegen und geistigen Beschäftigung auf eine artgerechte Haltung von Vögeln Wert gelegt werden.